Der Verkauf von Alkohol, Tabak, E-Zigaretten oder Games ab 18 ist für Schweizer Online-Shops ein lukratives Geschäft. Es birgt jedoch auch ein erhebliches rechtliches Risiko: Wer haftet, wenn Minderjährige bestellen? Die Antwort ist klar: der Shop-Betreiber.

Die rechtlichen Anforderungen an den Jugendschutz im E-Commerce werden ernster genommen denn je. Gleichzeitig stehen die meisten Shops vor einem Dilemma: Die aktuellen Methoden zur Altersverifikation sind entweder rechtlich unsicher oder so kundenunfreundlich, dass sie die Konversionsrate massiv senken.

Im Jahr 2025 steht die Schweiz jedoch an der Schwelle zu einer Revolution: Mit der Abstimmung über die staatliche E-ID im September 2025 rückt eine Lösung näher, die dieses Problem endgültig lösen könnte.

Dieser Artikel erklärt die rechtliche Lage 2025, zeigt die Nachteile der heutigen technischen Umsetzung und erklärt, warum eine E-ID API die einzige zukunftssichere Lösung ist.

Die rechtliche Lage 2025: Warum die Checkbox nicht reicht

Viele Shop-Betreiber glauben fälschlicherweise, dass eine einfache Checkbox ("Hiermit bestätige ich, dass ich 18 Jahre alt bin") oder ein Passus in den AGB ausreicht. Das ist ein gefährlicher Irrtum.

Das Gesetz ist eindeutig: Gemäss Art. 42 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV) ist die Abgabe von Alkohol und Tabak an Minderjährige verboten. Das Gesetz verbietet die Abgabe, nicht nur den Kauf. Damit ist der Händler in der Verantwortung, das Alter vor der Übergabe der Ware wirksam zu prüfen.

Was sind die Konsequenzen?

  • Gesetzliche Mindestalter: In der ganzen Schweiz gilt neu ein Abgabealter von 18 Jahren für Tabakprodukte und E-Zigaretten. Bei Alkohol liegt die Grenze bei 16 Jahren für Wein und Bier und 18 Jahren für Spirituosen.

  • Hohe Bussen: Verstösse gegen den Jugendschutz können mit Bussen von bis zu 40'000 CHF geahndet werden.

  • Klagen: Gerichtsverfahren, wie eine frühere Klage gegen Coop wegen unzureichender Altersprüfung beim Online-Weinverkauf, zeigen, dass die Behörden und Jugendschutzorganisationen den Online-Handel im Visier haben.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat klargestellt, dass eine reine Selbstdeklaration des Alters unzureichend ist.

Technische Umsetzung heute: Die 4 (schlechten) Methoden ohne E-ID

Wenn die Checkbox nicht ausreicht, was dann? Aktuell greifen Shops auf vier Methoden zurück, die alle einen Haken haben:

1. Der ID-Scan (Upload von Pass oder ID-Karte)

  • Wie es funktioniert: Der Kunde muss ein Foto seines Passes oder seiner ID hochladen. Ein Mitarbeiter (oder eine teure Software) prüft das Dokument manuell.

  • Nachteil: Dies ist der "Conversion-Killer" Nr. 1. Der Prozess ist langsam, aufwändig und ein Datenschutz-Albtraum. Kunden brechen den Kauf ab. Zudem müssen Sie datenschutzkonform mit hochsensiblen ID-Kopien hantieren.

2. Verifikation bei der Zustellung

  • Wie es funktioniert: Der Shop bucht eine teure Zusatzleistung beim Logistiker (z.B. "Identitätscheck" bei der Post), der das Alter an der Haustür prüft.

  • Nachteil: Diese Methode ist teuer und verlagert das Problem nur. Ist der Empfänger nicht der Besteller, schlägt die Zustellung fehl. Das E-Commerce-Erlebnis wird gestört.

3. Drittanbieter-Logins (z.B. SwissID)

  • Wie es funktioniert: Der Kunde nutzt ein bestehendes Login eines Drittanbieters, bei dem er seine Identität bereits einmalig verifiziert hat.

  • Nachteil: Dies ist bereits besser, schafft aber eine Abhängigkeit. Sie zwingen Ihre Kunden, einen Account bei einem bestimmten privaten Anbieter zu haben, was nicht jeder will oder hat.

4. Die (nutzlose) Checkbox

  • Wie es funktioniert: [ ] Ich bin 18.

  • Nachteil: Wie oben beschrieben: Bietet praktisch keinen rechtlichen Schutz und ist aus Sicht des Jugendschutzes wirkungslos.

Fazit: Die aktuellen Methoden sind ein unbefriedigender Kompromiss zwischen hohem rechtlichen Risiko (Checkbox) und massivem Kundenfrust (ID-Scan).

Die E-ID-Revolution: Was sich 2026 ändert

Hier kommt die staatliche Schweizer E-ID ins Spiel. Nach der Abstimmung im September 2025 wird die Einführung für ca. 2026 erwartet. Für die Altersprüfung ist sie ein "Game Changer".

So funktioniert die Altersprüfung mit der E-ID: Stellen Sie sich vor, Ihr Kunde legt eine Flasche Gin in den Warenkorb.

  1. Shop: Ihr Shop stellt über eine E-ID API eine Anfrage: "Ist dieser Kunde über 18?"

  2. Kunde: Der Kunde erhält eine Push-Nachricht auf seine E-ID-App (z.B. "swiyu") auf dem Smartphone: "Shop X möchte bestätigen, dass Sie über 18 sind."

  3. App: Der Kunde bestätigt mit einem Klick (oder Face-ID).

  4. Shop: Ihr Shop erhält nur die Antwort: "Ja".

Das ist der entscheidende Punkt: Privacy by Design. Ihr Shop erfährt weder den Namen, noch das Geburtsdatum oder die Adresse des Kunden aus der E-ID. Sie erhalten nur die für Sie relevante, kryptografisch beglaubigte Bestätigung "Mindestalter erreicht: Ja".

Dieses Prinzip nennt sich "Selektive Disclosure" oder "Zero-Knowledge-Proof".

Die Vorteile für Online-Shops:

  • 100% Rechtskonform: Eine staatlich beglaubigte Altersprüfung ist die stärkste Form der Verifikation.

  • Keine Konversions-Bremse: Der Prozess dauert Sekunden und ist so einfach wie eine Zahlung mit Apple Pay. Kein Scannen, kein Warten.

  • Kein Datenschutz-Stress: Sie erhalten und speichern keine sensiblen ID-Daten, nur den Vermerk "Altersprüfung OK".

  • Zukunftssicher: Die Schweizer E-ID ist kompatibel mit der kommenden EU Digital Identity Wallet (erwartet bis 2026). Wer jetzt auf E-ID setzt, ist für den europäischen Markt gerüstet.

Die Brücke in die Zukunft: Warum Sie jetzt eine E-ID API brauchen

Die E-ID wird nicht "einfach da sein". Um sie zu nutzen, benötigt Ihr Shop eine technische Schnittstelle – eine E-ID API.

Die öffentliche Beta-Phase der E-ID läuft bereits seit März 2025. Das bedeutet, Entwickler können schon heute mit der Integration beginnen.

Hier schliesst sich der Kreis. Eine "Developer Solution" wie die E-ID API von Verio fungiert als Brücke. Sie ermöglicht es, die Logik der Altersprüfung in Ihrem Shop (z.B. für Shopify, WooCommerce oder Eigenentwicklungen) einmalig zu implementieren.

Diese API kann morgen die offizielle Schweizer E-ID anbinden und ist gleichzeitig bereit für andere digitale Identifikationsmethoden.

Wer bis 2026 wartet, um sich mit dem Thema zu befassen, verpasst den Anschluss. Wer jetzt handelt, sichert sich einen "First-Mover-Advantage" und löst ein für alle Mal eines der grössten Haftungsprobleme im Schweizer E-Commerce.

Sind Sie bereit für die Zukunft der Online-Identifikation? Abonnieren Sie unseren Newsletter, um exklusive Updates zur Schweizer E-ID und zum Start unserer produktiven API-Lösungen zu erhalten.

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